Mit ANAANA haben Cari Cari Ende 2018 ihr Debütalbum veröffentlicht. Die DIY Band macht dabei von der Musik über das visuelle Auftreten bis hin zum Merchandise alles selbst.

Zurzeit sind Cari Cari auf Tour und haben dabei nicht nur ihr neues Album, sondern auch das MTP 550 DM im Gepäck. Wir haben mit Stephanie Widmer und Alexander Köck über Sound Experimente und die Entstehung des neuen Albums geredet.

[LEWITT] Ihr seid gerade mit eurem neuen Album ANAANA auf Tour, wie läuft’s?

[Alex] Sehr gut, wir sind total happy! Der Großteil der Shows wurde entweder in größere Venues verlegt oder ist ausverkauft. Die Reaktionen sind einfach überwältigend.

[LEWITT] Ihr habt ja ein sehr schönes Bühnenkonzept mit einer riesigen Sonne – habt ihr das selbst entwickelt?  

[Stephanie] Ja, das war meine Idee. Ich habe die Konstruktion der Sonne mit meinem Vater zusammen entwickelt und den Stoff selbst genäht. Es war härter als man glaubt (lacht).

[Alex] Ich finde es ist genial geworden. Auf dem Album geht es ja um die Sonne. Das Thema zieht sich durchs ganze Album und das wollten wir so auf die Bühne bringen.  

[LEWITT] Ihr habt ja vor der Tour verschiede Mikrofone von verschiedenen Herstellern getestet und eure Wahl ist dann aufs MTP 550 DM gefallen. Was hat euch an dem Mikrofon so gut gefallen?

[Stephanie] Auf der Bühne ist es extrem wichtig, dass sich die Stimme durchsetzt. Das ist bei uns besonders schwierig, weil wir sehr dynamisch singen. Bei unseren Bühnenproben hatten wir mit den LEWITT Mics einen AHA-Moment. Sie setzen sich sowohl am Monitor als auch auf der PA extrem gut durch und müssen nicht so laut aufgedreht werden. Heute hatten wir einen anderen Tontechniker als sonst dabei und ihm ist das auch direkt aufgefallen. Er meinte, dass er die Mics sehr leise aufgedreht hatte und total geflashed war wie gut die Stimmen im Mix präsent waren. Das erleichtert ihm natürlich auch sehr die Arbeit! (lacht)

[Alex] Genau! Und gleichzeitig klingen die Mikros angenehm „warm“ und haben nicht diese unangenehmen kalten, digitalen Höhen, die wir gar nicht mögen. Man spricht in das Mikrofon und es klingt klar und durchsetzungsfähig, aber gleichzeitig hat es diesen organischen Körper. Für mich klingt es so, wie meine Stimme wirklich klingt und das ist unsere Maxime wenn es um Sound geht. Es ist einerseits sehr funktional im Live-Betrieb, andererseits liefert es auch genau den Sound, den wir wollen. Das ist ein Geschenk des Himmels (lacht).

LEWITT MTP 550 DM microphone Cari Cari tour [Photo © Tobias Neugebauer]

[LEWITT] Habt ihr irgendwelche spezifischen Mikrofontechniken auf der Bühne?

[Alex] Wir verwenden manchmal den Nahbesprechungseffekt um einen Kontrast zwischen den verschiedenen Teilen von unseren Songs zu schaffen. Bei unserem Lied Mazuka gehen wir beim Verse langsam von den Mikrofonen weg, so dass der Sound immer dünner wird und dann, wenn der Refrain einsetzt, gehen wir beide wieder nah zum Mikrofon, damit der Nahbesprechnungseffekt vom Mikrofon einen Dynamikschub erzeugt - das funktioniert sehr gut.

[LEWITT] Zwei eurer Songs wurden ja bei der US Serie Shameless gespielt – wie kam es dazu?

[Alex] Tatsächlich hat uns jemand mit einem Privatprofil auf Facebook angeschrieben und gemeint, dass sie von Shameless ist und unsere Musik in der Serie verwenden will – ich hab ehrlich gesagt gedacht es ist Spam. Wir haben einen Agenten in den USA, der sich um solche Sachen kümmert. Ich habe es ihm weitergeleitet, und er meinte, dass er die kennt. Wir haben irgendwann eine sehr kurz angebunden Email bekommen, in der es hieß, dass sie unsere Musik für Shameless verwenden wollen. Ein oder zwei Monate später hat mich dann um Mitternacht ein Freund angerufen und mich total aufgeregt gefragt: „Alex, Alex, seid ihr bei Shameless?“ Und danach habe ich gewusst welche Folge es ist.

Cari Cari - Summer Sun

[LEWITT] Lasst uns ein bisschen über euer neues Album ANAANA reden – wie lange habt ihr daran gearbeitet?

[Stephanie] Wir haben uns mit unserem Debut Album relativ lange Zeit gelassen – ganze 3 Jahre. Wir waren davor einfach nicht bereit für ein Album. Wir haben mit einer EP irgendwann mal angefangen und es war total schrecklich. Wir haben geglaubt, dass wir jetzt „professionell“ werden müssen und sind in ein richtiges Studio gegangen. Der Tontechniker hat das Schlagzeug mit 22 Mikrofonen abgenommen – und das hat dazu geführt, dass alles total charakterlos geklungen hat: Das gewisse Etwas, dass unsere Musik für uns besonders macht, war verloren. Wir haben sicher ein Jahr daran gearbeitet und haben es dann letztendlich gekübelt, weil es wirklich furchtbar war und wir das Ganze überhaupt nicht gespürt haben. Dann haben wir ganz von vorne angefangen. Es war anfangs auch gar kein Album geplant, sondern es war wieder eine EP geplant, aber es hat sich dann irgendwie so ergeben. Wir haben uns gedacht, es geht sich ein Album aus und es hat alles gut zusammengepasst - es war echt eine Fügung.

[LEWITT] Inwiefern wirken sich eure Reisen aufs Songwriting aus? Wie kann man sich das vorstellen?

[Stephanie] Ich finde ein sehr gutes Beispiel dafür ist Mapache. Die Struktur vom Song war eigentlich schon fertig, aber es hat noch das gewisse Extra gefehlt. Und dann waren wir in London und haben bei Freunden im Wohnzimmer übernachtet. Ein Mitbewohner von unserem Freund, der ursprünglich aus Spanien kommt, ist dann in der Nacht ziemlich bekifft mit seiner Freundin heimgekommen. Wir wollten eigentlich nur schlafen – aber die beiden haben sich zu uns in Wohnzimmer gesetzt. Der Typ hat dann die ganze Zeit gesagt: „Call me El Lobo“ – er wollte also, dass man ihn „den Wolf“ nennt. Und dann hat er allen Tiernamen gegeben und wir haben ihn daraufhin gefragt, welchen Tiernamen er seiner Freundin geben würde, woraufhin er meinte:“She’s sneaky, she’s like a racoon“ und ich habe ihn dann gefragt, was Waschbär auf Spanisch heißt und er meinte „El Mapache“. Da haben wir uns gedacht, dass das ein sehr geiles Wort ist und uns gleich mit der Gitarre hingesetzt um es aufzunehmen. Ich habe mir die Aufnahme vor kurzem nochmal angehört und es ist tatsächlich ziemlich genauso geworden wie damals, als wir es zum ersten Mal aufgenommen haben. So nimmt man also überall was mit, wenn man unterwegs ist.

Cari Cari - Mapache

Photo © Tobias Neugebauer

[LEWITT] Euer Gitarren Sound erinnert bei Songs wie Mapache ja schon fast ein bisschen an Spaghetti Western – sehr cool! Wie habt ihr diesen Sound gefunden?

[Alex] Oft klingen Gitarren so eng, dünn und ausgehöhlt. Mein Ziel bei der Aufnahme war, den Körper des Instrumentes hörbar zu machen. Das ist bei uns besonders wichtig, weil die Gitarre auch das abdecken muss, was normal der Bass im Frequenzspektrum füllt. Ich bin eigentlich sehr intuitiv und kein gelernter Tontechniker und deshalb probiere ich solange rum, bis es funktioniert.

[LEWITT] Hast du dann bei der Nachbearbeitung viel am Gitarrensound rumgebastelt?

[Alex] Ich arbeite mit Ableton live und verwende verschiedene Kompressoren und EQs. Vor Allem arbeite ich mit verschiedenen Reverbs, aber der Grundsound muss eigentlich mit der Aufnahme stehen. Danach kann experimentiert werden. Ich habe mir ein Kassettendeck gekauft und oft die aufgenommene Gitarre dann nochmal über das Kassettendeck aufgenommen und wieder abgespielt. Da gibt’s ein paar Tricks: wenn man die Rauschunterdrückung bei der Aufnahme aufdreht und beim Abspielen abdreht, entsteht eine ganz interessante Komprimierung. Mit solchen Dingen experimentiere ich dann ganz gerne.

[LEWITT] Wenn wir schon beim Thema Sound Experimente sind, gab’s da Aha-Erlebnisse bei der Aufnahme vom Album?

[Alex] Ja, bei Mapache hab ich zum Beispiel irgendwann mal einfach ein Mikrofon hingestellt um die Gitarre als Demo aufzunehmen. Im Endeffekt haben wir diese Aufnahme dann fürs Album verwendet. Ich habe mehrfach probiert es neu aufzunehmen, aber es ist nie wieder so geworden. Es hat etwas spielerisch, leichtes, magisches, dass ich nie wieder reproduzieren konnte. Für mich ist es wichtig ein Grundsystem zu haben, wo ich weiß dass es funktioniert. Wenn ich das dann mal habe, bleibt Raum um zu experimentieren und Dinge auszuprobieren.

[Stephanie] Aber auch beim Gesang haben wir viel mit verschiedenen Mikrofonen, Pre-Amps und alten Effekten herumprobiert – auch mit vielen verschiedenen Mikros. Wir hatten ein altes russisches Röhrenmikrofon, dass bei mir sehr gut funktioniert hat. Für Synthesizer und Stimmen haben wir auch mit einem alten Roland Space Echo gearbeitet. Ein Klassiker J

[Alex] Es muss auf jeden Fall gleich einen Aha-Effekt geben. „Fix it in the mix“ funktioniert für uns nicht. Das Gefühl muss stimmen, der Song muss funktionieren, der Sound muss in seiner Rohform funktionieren, dann kann man im Mix noch die letzten drei Prozent rauskitzeln. Und das war eben auch bei den LEWITT Mikrofonen live so. Wir haben in die Mikros einmal reingesprochen und gewusst: Das funktioniert!

Cari Cari live in der radioeins Lounge 2018 mit dem MTP 550 DM