Willkommen zurück zum zweiten Teil meines Field Recording Tagebuchs. Diesmal dreht sich alles um Sound Design für Filme.

Dabei wird es um die folgenden zwei Projekte gehen:

Die Flaschenpost Insel ist eine deutsche Filmproduktion aus Wiesbaden. In dem Film, der unter der Regie von Toni Kurtin entstanden ist und von Corinna van Eijk produziert wurde, geht es um ein adoptiertes Mädchen, das ein altes Fotoalbum mit Foto’s der leiblichen Eltern zum Geburtstag bekommt und sich auf eine Reise zu ihren Wurzeln begibt. Im Wesentlichen ist der Film ein Drama mit komödiantischen Elementen und einem naturalistischen Gefühl – welches auch in den Dialogen, der Atmosphäre und dem Sound Design wiedergegeben sein musste.  

Das zweite Projekt an dem ich gearbeitet habe ist ein Kurzfilm mit dem Titel Golden Record. Er ist unter der Regie von Klaus Merkel gemeinsam mit Artur Ortlieb, der für die Kameraführung verantwortlich war und Produktionsdesignerin Larissa Bonitz von der Film Academy Baden-Württemberg umgesetzt worden. In diesem Sci-Fi Dystopia ist die Hauptcharakterin die letzte menschliche Überlebende. Die Erde ist zu einem ausgetrockneten, sterbenden Planeten verkommen und in dieser lebensfeindlichen Welt befindet sich Nova, die den Krieg gegen die Maschinen, die nun die Welt beherrschen, überlebt hat. Auf einem ihrer Streifzüge findet sie nicht nur Wasser, sondern stolpert auch über die Goldene Schallplatte der Voyager, dem gleichnamigen unbemannten Raumschiff. Der Inhalt dieser goldenen Schallplatte löst eine starke emotionale Reaktion in ihr aus, die auf wundersame Weise Regen auslöst – ein Symbol für Leben und Hoffnung.

Golden Record.
Golden Record.
Golden Record.
Golden Record.

Für beide Projekte hatte ich das LCT 540 S extensiv im Einsatz. Es ist ein fantastisches Foley Mikrofon, das ich nie wieder missen möchte. Die Resultate, die man mit diesem Mikrofon erzielen kann sind einfach nur beeindruckend: Es hat einen klaren, vollen Klang, in Kombination mit einem extrem niedrigen Eigenrauschen und unglaublicher Vielseitigkeit, wodurch es sehr viel teurere Mikrofon-Alternativen aussticht. Ich hatte dieses Mal die Möglichkeit es mit einem zweiten LCT 540 S für Stereoaufnahmen zu verwenden. Das Mikrofon featured die so genannte Perfect Match Technology, wodurch jedes LCT 540 S für Stereoaufnahmen geeignet ist, ohne, dass man sich extra von Anfang an ein Stereopaar kaufen muss - ein weiteres Plus. Die Umgebungen und Atmosphären, die ich mit den beiden LCT 540 S in ORTF Ausrichtung aufgenommen habe, klingen voll, lebendig und kristallklar. Und nach meinen bisherigen Erfahrungen mit dem LCT 540 S bin ich sogar noch mehr davon überzeugt, dass dieses Mikrofon bahnbrechend für Sound Designer und alle anderen, die im Bereich Fieldrecording arbeiten, sein wird. 

1. Umgebungs-Aufnahmen

 

Im Gegensatz zu meinem ersten Field Recording Tagebuch, das entstanden ist während ich Naturaufnahmen gemacht habe, dreht sich dieser zweite Teil eher um urbane Aufnahme-Umgebungen. Diese Umgebungen können grundlegend als Lo-Fi charakterisiert werden. In einer Lo-Fi Klanglandschaft, werden spezielle individuelle Signale von einer dichten Klangpopulation teilweise verdeckt. Diese dichte Klangpopulation kann man als Wand von miteinander zusammenhängenden und verschwimmenden Klängen beschreiben, die ständig dominieren.

Daraus resultiert, dass der Raumklang, die Auflösung und die Perspektive innerhalb weniger Meter Entfernung von der Klangquelle verloren gehen und dadurch zu dem typisch diffusen Stadthintergrundrumpeln verschmelzen. Diese Umgebungsgeräusche werden mit ihren alltäglichen Klängen die hier und da durchdringen, oft als belebt und lärmig beschrieben.

Es ist eigentlich ein Warnsignal, dass große Teile unserer akustisch wahrnehmbaren Lebensräume in städtischen Gebieten aus Hintergrundgeräuschen mit so einem so hohen Anteil an konstant Tieffrequenz-lastigen Tönen bestehen. Das könnte in Zusammenhang mit erhöhten Stresspegeln in unserer Gesellschaft stehen, die zu verschiedenen Gesundheitsproblemen führen können.

Die akustisch-ökologische Bewegung möchte das Bewusstsein dafür schärfen, wie viel Lärm wir täglich ausgesetzt sind. Paradoxerweise neigen wir dazu, dies nicht mehr wahrzunehmen, da wir uns aufgrund unserer Umwelt und unserer heutigen Hörgewohnheiten an passives Zuhören gewöhnt haben. In diesem Zusammenhang bietet Field Recording die Möglichkeit, die akustische Umgebung besser wahrzunehmen und eine aktive Form des Zuhörens wiederzuentdecken. Also schnapp dir ein Mikrofon und geh raus um deine Umgebung aufzunehmen! Es macht wirklich Spaß und hilft dir, deinen Gehörsinn zu schärfen.

Als erstes möchte ich auf mein Mitwirken an dem Film Die Flaschenpost Insel eingehen. Ich wurde ziemlich spät zu dem Produktionszyklus des Projekts hinzugezogen. Ich hatte gerade einmal zwei Wochen zeit um alle Surroundklänge und Foley Sounds aufzunehmen und gleichzeitig Unterstützung im Bereich der Hard Effects in Form meiner privaten Audiothek zu liefern. Und dann musste das ganze Projekt innerhalb einer Woche gemixt werden und als Surround-Mix für Kino’s abgeliefert werden. Wie ihr seht, hatte ich ziemlichen Zeitdruck. Normalerweise gibt es umfangreiche Prop-Listen, Spotting-Sessions und Cue-Listen. Da dies in diesem Zeitraum nicht möglich war, habe ich alle Szenen mit Markern versehen und leere Midi-Regionen für alle relevanten Sound-Cues verwendet und eine grobe Prop-Liste ohne große Vorbereitung aufgeschrieben. Auf diese Weise hat es mich nur 30 Stunden gekostet, den 90-minütigen Film durchzugehen. Ein perfektes Beispiel für einen schnellen Workflow für Ein-Mann-Jobs in Indie Film Produktionen. Während es nicht wirklich mehr braucht, ist mindestens diese Organisationsstruktur notwendig, um die Produktion auf Kurs zu halten.

Die Flaschenpost Insel

Glücklicherweise wurde der komplette Film in Wiesbaden gedreht, eine Stadt in meiner Nähe, in der ich ein paar Jahre gelebt hatte. Dadurch kannte ich alle Locations, in denen die einzelnen Szenen gedreht wurden. Ich machte mir Notizen zu den einzelnen Locations, notierte die Tageszeit und spezielle Events in den einzelnen Szenen.

Bezüglich der Aufnahmekonfiguration wurde im Vorfeld entschieden, dass die Umgebungen im Surround-Format aufgenommen werden würden. Wegen des Zeitdrucks musste ich verwenden, was ich hatte und was eine einzelne Person auf unkomplizierte und schnelle Weise, ohne lange Setup Zeiten verwenden konnte. Ich befand eine ORTF Konfiguration am unkompliziertesten und ich wusste, dass ich mit dieser gute Ergebnisse erzielen würde. Meiner Meinung nach ist es ein perfekter Kompromiss zwischen unkorrelierten Signalen und unterschiedlichen Levels in horizontaler Ebene. Die Lokalisierung war sehr gut, da wir 4 Nieren verwendet haben und gleichzeitig unterstützt dieses Setup aufgrund des 110° Aufnahmewinkels und der 17,5 cm Distanz von links nach rechts, sowie der 20 cm Distanz von vorne nach hinten, ein ziemlich gutes und offen klingendes Raumbild. Die Mikrofonsignale werden diskret zu den Kanälen L, R, LS und RS geleitet. Dies gewährleistet einen stabilen Klang auch bei außeraxialen Sitzpositionen im Abspielraum des Kinos. Ich war begeistert, dass ich endlich die Chance hatte, zwei LCT 540 S Mikrofone für Stereo-Umgebungs-Aufnahmen einsetzen konnte. Daher entschied ich mich dazu die beiden LCT 540 S als Frontpaar in der Doppel ORTF Konfiguration einzusetzen – zusammen mit meinen guten, alten MKH 8040’s auf der Rückseite. Das hat wirklich gut funktioniert, da das LCT 540 S Paar einen sehr klaren und etwas helleren Klang mit niedrigerem Eigenrauschen und höherem Output hat. Die 8040’s haben im Gegensatz dazu einen dunkleren Klang. Ich vermutete, dass diese Anordnung, wie meine subjektive Hörerfahrung klingen würde, bei der das klarere Klangbild und die Lokalisierung vorne stattfinden, während der Klang von Hinten etwas dunkler klingt. Ich habe bereits in meinem ersten Field Recording Tagebuch die klanglichen Eigenschaften des LCT 540 S beschrieben, aber es gibt drei Aspekte, die mich umgehauen haben, nachdem ich mir die Stereo-Umgebungs-Geräusche dieser Konfiguration angehört habe:

Zuallererst geht das extrem niedrige Eigenrauschen und der hohe Output in dieser Stereo-konfiguration auf. Diese Mikrofonanordnung ist so kristallklar, dass die noch so leiseste Umgebung ohne Probleme aufgenommen werden kann. Das Mikrofon ist wie ein akustisches Zoomobjektiv, das, vorausgesetzt man verwenden einen klaren Vorverstärker, dich entfernte Ereignisse mit wunderschön diffuser Umgebungsauflösung einfangen lässt, was für Hi-Fi-Umgebungs-Aufnahmen entscheidend ist.

Tatsächlich gibt es in unserer überfüllten und lautstarken Welt nur noch wenig Orte, an denen man leise Settings mit dieser bemerkenswerten Mikrofonanordnung in allen Details aufnehmen kann. Man könnte sogar sagen, dass diese Mikrofone nicht nur besser als das menschliche Gehör sind, sondern auch besser als die meisten akustischen Umgebungen, die man als Field Recordist heutzutage in Europa vorfindet. Aber wie ich bereits vorhin erwähnt habe, musste ich für dieses Projekt ohnehin verschiedene Lo-Fi Umgebungen aufnehmen. Die folgenden Beispiele sind eine Auswahl an suburbanen und urbanen Umgebungsgeräuschen mit zunehmend lauterem Hintergrundrumpeln und Geräuschen.

LCT 540 S best microphone for field recording
LEWITT LCT 540 S best mic for movie sounds
LEWITT LCT 540 S best microphone for foley recording
LEWITT LCT 540 S best microphone for ambience sound recording

Im Gegensatz dazu könnt ihr in den folgenden Soundfiles Beispiele für Hi-Fi Umgebungsgeräusche zum Vergleich hören:

LCT 540 S best microphone for foley recordings
LEWITT LCT 540 S best microphone for field recordings
LEWITT LCT 540 S best mic for ambience sound recordings
LEWITT LCT 540 S best mic for ambience sound recordings

Für den Film Golden Record, war der Zugang zu Sound ein komplett anderer. Der Kurzfilm ist stark stilisiert und die gesamte Geschichte ist mit einer starken Meta-Ebene, die sich um die inneren Gedanken und Gefühle der Hauptfigur dreht, ziemlich künstlerisch erzählt. Allein die Sci-Fi Kulisse schließt schon einen natürlichen und realistischen Sound Design Ansatz aus: Wie klingt ein Schauplatz in einer Welt, in der Maschinen die Weltherrschaft übernommen haben? Ich hatte drei unterschiedliche Workflows um die Atmosphäre für Golden Record zu kreieren.

1) Den eher traditionellen Ansatz, „reale“ Umgebungen aufzunehmen und ihre Klangeigenschaften mit Bearbeitungstools wie EQ, Hall, und verschiedensten Modulation-basierenden Multi-Effekten zu verändern.

Ein Klangbeispiel das mit dieser Methode der Zerlegung und Neuzusammensetzen entstanden ist, möchte ich den “Outer World Layer” nennen. Ich beschloss Klänge zu synthetisieren, die irgendwie den Eindruck erweckten, dass Maschinen in der Ferne "leben und sich bewegen". Als nächstes habe ich einen ziemlich extremen Hall verwendet, um das Gefühl der Entfernung zu verstärken. Ich fügte dann vocodierte Sounds hinzu, um eine Art Maschinensprache oder Kommunikation zu simulieren. Und ich habe auch Servo-Sounds, die von einem Entsafter und anderen Gegenständen mit kleinen Motoren abgenommen wurden, auf einer dritten Ebene hinzugefügt, bei der ich zudem viele Modulationseffekte hinzugefügt habe. Darauf habe ich zum Schluss noch einen ziemlich weiten Hall gelegt.

2) Eine künstliche Klanglandschaft mit synthetisierten Klängen, sowie speziellen, „trocken aufgenommenen“ Sounds (isoliert von ihrer natürlichen Umgebung) bauen und dann die Umgebung, mit der Methode des auseinander Nehmens und wieder neu zusammen Setzens, von Grund auf neu zusammenbauen

Diesr künstlich erzeugten Layer wurden mit Raumklängen gemischt, die ich mit zwei LCT 540 S in Stereo aufgenommen hatte.

Der Klang von Nova’s Versteck besteht aus zwei Ebenen. Die erste Ebene habe ich tagsüber im 50 Grad Club in Mainz aufgenommen - als der Club geschlossen und ziemlich ruhig war. Er befindet sich im Zentrum der Stadt, unterirdisch unter dem Landesmuseum Mainz. Die Zimmer haben die richtige Form und ein industrielles Aussehen mit Lüftungsrohren, die von der Decke hängen. Und sofort gab mir der Raum das richtige Gefühl für den Klang, nach dem ich gesucht hatte. In dem Sound Sample könnt ihr ein subtiles Summen aus dem Maschinenraum und den Kühlschränken hören, sowie viel Verkehrslärm von den Straßen im Erdgeschoss. Ich habe die hohen Frequenzen raus geschnitten und die schweren industriell klingenden tiefen Frequenzen verstärkt, so dass es sich anhört, als ob sich in der Entfernung seltsame Maschinen bewegen. Dadurch konnte ich dem Umgebungsklang einen lebendigen Charakter verleihen. Die beiden LCT 540 S beeindruckten mich erneut mit ihrem hervorragenden Raumabbild und einer Art 3D-Qualität, die den Zuhörer in den Raum eintauchen lässt. Das LCT 540 S kann all diese subtilen Klänge in ruhigen Umgebungen aufnehmen, was perfekt ist, wenn man diese Orte zum Leben erwecken möchte.

LCT 540 S best foley microphone
LCT 540 S best ambience sound mic

Der zweite Layer wurde in einem Recyclingzentrum in Mainz aufgenommen. Netterweise bekam ich Zutritt nach den regulären Arbeitszeiten, um in einer Industrie-Hallen aufzunehmen, in der alten elektronischen Geräten lagern. Das ermöglichte mir, den Raumklang ohne allzu viel Lärm einzufangen. Einige Maschinen und Ventilatoren liefen noch in der Ferne. Sie verliehen dem Ambiente eine industrielle und irgendwie unmenschliche Note. Ich dachte, diese Lo-Fi-Atmosphäre, die über dem Raumklang liegt, würden dem Ort, an dem die Szene spielt, jenen rauhen industriellen Rahmen geben, der irgendwie ein Symbol der feindlichen und unmenschlichen Welt ist, in der Nova lebt. Und wenn wir damit anfangen Umgebungen zu layern, kommen wir zur dritten Methode:

Field Recording LCT 540 S microphone

3) Das Layern von verschiedenen Umgebungen um den Sound zu bereichern oder den Sound an den Kontext anzupassen, in dem er auf dem Bildschirm gezeigt wird.

Wie Punkt 1) und 2) verdeutlichen, wurden die Hintergrundgeräusche von Nova’s Versteck aus mehreren unterschiedlichen Umgebungsgeräusch-Layern kreiert - bestehend aus Raumklängen, der Atmosphäre in der Industrie-Halle, und der künstlichen “Outer World” Geräuschkulisse. Zusammen resultieren diese Umgebungsgeräusche in einem vollen und lebendigen akustischen Hintergrund, der die Szene zum Leben erweckt.

Für die Szene im Maschinenaußenposten habe ich das Ambiente der Theaterwerkstatt in Mainz aufgenommen und mit mehreren Computerraumtönen und Maschinengeräuschkulissen überlagert. Ich konnte die Aufnahmen in der Theaterwerkstatt nur während der normalen Arbeitszeit machen. Daher waren viele Geräusche, Ventilatoren usw. vorhanden. Aber solch eine geschäftige Umgebung ist die perfekte Grundlage für den Maschinenraum in dieser Szene, mit vielen funktionierenden Computern und anderen Geräten. Die Hintergrundklangkulisse repräsentiert insgesamt ein unmenschliches, lautes und technokratisches Umfeld. Das war genau das, was ich für diese Szene wollte

Ab dem Moment, in dem der Regen einsetzt, kann man meinen Wetteraufbau hören, der in heftigem Spritzregen endet. Um diesen Effekt zu erhalten, habe ich zwei Windambienten aus meiner Herbstwald-Audiothek überlagert und drei Regenambienten hinzugefügt, die nacheinander starten und die Intensität steigern. Für diese Aufnahmen musste ich eine transparent klingende Regenabschirmung bauen. Dies kann ziemlich schwierig sein, weil man oft rumpelnde und ploppende Geräusche bekommt, wenn die Regentropfen auf die Abschirmung treffen. Unglücklicherweise gibt es auch keine gut klingende kommerzielle Regenabschirmungen zu kaufen, also musste ich mir selbst eine bauen. Die Regen-Sounds von anderen Libraries sind häufig problematisch, da man meistens hört, dass der Regen aus einem Fenster heraus aufgenommen wurde, oder unter einer Brücke aufgenommen wurde. Wenn die Regentropfen auf eine harte Oberfläche wie Beton fallen, kann man immer den Hall und die Perspektive hören, wodurch die Illusion auf dem Bildschirm zerstört werden kann, weil du einen offen klingenden, dichten Regenklang brauchst um der Szene eine herausragende Wirkung zu verleihen.

Auf dem Bild sehen Sie den zweiten Durchlauf des selbst entwickelten Regenschildes, das ich für dieses Projekt verwendet habe. Es gab mir gute Klangergebnisse, aber erwies sich als etwas zu schwer für die einfache Einrichtung im Feld. Mein letzter Durchlauf war viel leichter, aber ich muss noch mehr Tests durchführen, bevor ich an meine Arbeit veröffentlichen werde.

DIY raincover by Daniel Meuser
LEWITT LCT 540 S best field recording microphone

2. Foley- und Soundeffekt-Aufnahmen

 

Viele von euch werden sich wahrscheinlich fragen, was Foley eigentlich ist. Kurz gesagt: Foley-Sounds werden im Gegensatz zu harten Effekten oder wilden Tracks immer synchron mit dem Bild aufgenommen. Foley-Künstler führen Schritte, Stoff- und Bewegungsgeräusche sowie Klänge für verschiedene Objekte aus, die von den Charakteren auf dem Bildschirm verwendet werden. Diese Klänge werden in Mono aufgenommen und leben in einer akustisch kontrollierten Umgebung - der Foley-Bühne - auf dem mittleren Kanal unterhalb des Dialogs. Dies ist notwendig, da man am Set den Dialog so sauber wie möglich aufzeichnen möchten. In verschiedenen Ländern wurden hierzu unterschiedliche Ansätze entwickelt. In den USA ist diese Kunst nach Jack Foley benannt, der bei Universal gearbeitet hat und als einer der Ersten in den 1930er Jahren Geräusche in das Bild eingefügt hat. In Frankreich heißen diese Leute Bruiteurs und in Deutschland nennt man sie Geräuschemacher. Obwohl Foley-Künstler hochspezialisierte Profis sind, kann es im Grunde jeder lernen. Ein guter Tipp ist es, zu euren Lieblingsfilmen, Dokumentarfilmen, Kurzfilmen usw. zu üben. Ich würde jeden Sounddesigner ermutigen, diesen naturalistischen Ansatz auszuprobieren und organische Klänge synchron mit der Animation / dem Bild aufzunehmen. Es wird dir helfen, über den Charakter nachzudenken: Wie alt ist er, ist er männlich oder weiblich, in welcher Stimmung befindet er sich? Der Ablauf einer Bewegung eines Charakters kann einen Hinweis darauf geben, ob er fit ist oder eine Behinderung hat. Siehst du einen schweren und entschlossenen Gang wie bei einem Soldaten, oder ist er sehr leicht und verspielt wie bei einem Kind? Eine Sache, die hier hinzugefügt werden kann, ist, dass kleine weibliche Foley-Darsteller perfekt dazu in der Lage sind, wie große Jungs zu laufen und zu klingen. Ein Foley-Künstler kann sogar mehrere Personen gleichzeitig laufen - und für bestimmte Verfolgungsszenen kann man immer Overdubs einsetzen. Im nächsten Clip hörst du mich klingen wie drei Soldaten, die mit einem Wachhund patrouillieren.

Das Geheimnis liegt in der Bewegung und dem Tragen der richtigen Schuhe, die entscheidend sind, und nicht das tatsächliche Gewicht oder Geschlecht des Schauspielers. Schuhe zu wählen, die zum Charakter passen, kann wirklich Spaß machen. Der wichtigste Aspekt ist hier mit deinen Ohren zu "schauen" und nicht mit deinen Augen. Das "richtige Aussehen" von Schuhen ist völlig irrelevant, solange sie richtig klingen. Das gleiche gilt für bestimmte Objekte. Die aufgenommene Requisite muss wirklich nur wie das auf dem Bildschirm erscheinende Objekt klingen - sie muss nicht genau das gleiche Objekt sein. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Material unter den Füßen. Normalerweise hat man verschiedene Boxen mit unterschiedlichen (manchmal gemischten) Materialien wie Kies, Schutt oder Sand usw.

Ein besonderes Material, das euch vielleicht überraschen könnte, ist Foley Gras - welches auf die Flaschenpost Insel eingesetzt wurde. Es besteht aus verschiedenen Arten von Tonband aus alten Audiokassetten und VHS-Kassetten. Es klingt wie echtes Gras, wenn man darauf läuft, aber man kann es leicht in einer kontrollierten Umgebung aufzeichnen. Auf der anderen Seite habe ich auch die Spuren meiner früheren "Herbstwald, Naturalistic Footsteps" - Audiothek benutzt, die einen Monat nach der "Herbstwald Naturalistic Ambiances" -Bibliothek erscheinen werden.

Field Recording Diary

Eine weitere große Sache war es, passend klingende Materialien für die verschiedenen Foley- Geräuschaufnahmen von Alltagsgegenständen, wie Büchern, Papier, Plastik, Werkzeugen, Schlüsseln etc., die man in den verschiedenen Szenen sieht, zu finden. Jede Menge Recherche zu den verschiedenen Materialen und deren akustische Eigenschaften sind hier der Schlüssel zum Erfolg. Die Frage muss immer lauten: Wie kann das Aussehen des in der Szene verwendeten Objekts in die Sprache des Klangs übersetzt werden? Sieht es neu aus oder alt und rostig? Könnte es schwer oder leicht klingen? Bissig, hart, metallisch, hölzern oder langweilig? Und was erwartet der Hörer von diesem bestimmten Filmgenre? Bei beiden Filmprojekten musste ich ein wenig Nachforschungen über die Klangtexturen der jeweiligen Requisiten anstellen. Für Novas Stoff in Golden Record verwendete ich Federn, indianischen Schmuck aus Holz und Edelsteinen und andere Gegenstände. Für die Flaschenpost Insel brauchte ich viele verschiedene Arten von Papier, Plastik und Glasmaterialien - plus verschiedene Stifte, Alltagsgegenstände wie Tassen, viele verschiedene Schuhtypen, Holzobjekte und auch metallisch klingende Requisiten.

Field Recording Diary

Für Filme mit einer naturalistischen Herangehensweise an das Sound Design ist die Verwendung eines klar klingenden Mikrofons entscheidend. Mit seinen 371 Gramm ist das LCT 540 S vielleicht etwas zu schwer für die Mikrofon Boom Stange, aber es klingt auch unschlagbar gut in Räumen. Das ist, zusammen mit seinem extrem niedrigen Eigenrauschen, wirklich bemerkenswert. In einem trockenen Raum sind diese Aufnahmen so glasklar definiert, dass man die Verstärkung eines bestimmten Bereichs in der DAW um bis zu 12 dB erhöhen kann, ohne irgendwelchen Rauschproblemen zu bekommen - etwas, das normalerweise ziemlich oft passiert, wenn man die Wirkung von bestimmten Bewegungen oder Geräuschen steigern möchte. Diese Möglichkeit bietet dem Sound Designer neue kreative Möglichkeiten und Spielräume in der Postproduktion.  

Die Nierencharakteristik des LCT 540 S zeichnet sich durch eine gleichmäßige und natürlich klingenden Off-Axis-Aussteuerung über alle Frequenzen hinweg aus, was besonders in diffusen Schallfeldern in einem schön offenen Sound mit guter Isolierung des rückwertig einfallenden Schalls resultiert. Eine große Überraschung war das sehr schnelle Einschwingverhalten für einen 1" Großmembran-Kondensator. Ich denke, dass dies einer der Faktoren für die Präzision des Klangbildes dieses Mikrofons ist. Besonders für SFX-Aufnahmeanwendungen ist es oft vorteilhaft, wenn das Mikrofon keine Färbung zur Aufnahme hinzufügt. Der glasklare, präzise und rauschfreie Output ist entscheidend für einen professionellen Workflow, der darauf abzielt, später bestmögliche Ergebnisse in der DAW erzielen zu können. 

Für die Foley- und SFX-Aufnahmen auf Golden Record hatte ich viel mehr künstlerische Freiheit. Also entschied ich mich für ein hyperrealistisches Sound Design, das in ruhigen Szenen immer noch ein realistisches Gefühl beibehält. Auf der anderen Seite sollten einige Klänge übertrieben werden, um die emotionalen Auswirkungen auf dem Bildschirm widerzuspiegeln. Und einige Klänge wurden einfach erfunden - schließlich spielt die Geschichte in einem Science-Fiction-Universum. Die Schwierigkeit bestand darin, die künstlerischen und stilisierten Qualitäten des Bildes auf der Ebene des Klangs wiederzugeben. Die Hauptfrage war also: Wie komme ich zu Sci-Fi-Sounds, die nicht kitschig klingen und auch der Bildschirmästhetik entsprechen? Vereinfacht ausgedrückt bestand mein Ansatz darin, Klänge von Grund auf zu synthetisieren oder natürliche Klänge aufzunehmen, zu überlagern und zu dekonstruieren, um sie aus dem Zusammenhang zu reißen. Und in einem zweiten Schritt hatte ich viele Effektprozessoren im Einsatz, um sie noch einzigartiger und bewegender zu machen.

Die Foley Sounds bestehen aus 4 Layern - der erste für den Lederrock, der zweite für den Indianer Federschmuck, der dritte für den Brustpanzer aus Metall und der vierte für die barfuß Fußstapfen von Nova. Die hohe Auflösung und die Detailgenauigkeit der mit dem LCT 540 S aufgenommenen Aufnahmen verliehen den jeweiligen Stoffmaterialien einen satten Klang und eine gewisse Tiefe, die ihnen eine klangliche Greifbarkeit verlieh. Das hat die Stoffmaterialien wirklich zum Leben erweckt. Die Aufnahme der richtigen Materialien in einem trockenen Raum mit einem hochwertigen Mikrofon verleiht einer Szene Aufregung und Eintauchen und unterscheidet einen Amateurfilm von einer professionellen Produktion.

Field Recording Diary
Field Recording Diary
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Zwei andere Foley Sounds, über die ich sprechen möchte, sind die Aufnahmen für das Öffnen der Metallbox und die Aufnahmen für das Geräusch, dass der Charakter beim stöbern in der Box macht. Ich glaube, ich zerstöre die Magie hier, aber die Geräusche für das Öffnen und Schließen sind im Grunde eine Kombination aus Öffnen / Schließen eines Holzschranks, meiner Ofentür und meiner Kühlschranktür. Mit etwas Layering und EQing klang es auf dem Bildschirm ziemlich überzeugend.

Für die Wühlgeräusche habe ich verschiedene Requisiten (die ihr auf der Collage sehen könnt) in eine Schachtel gelegt und mit den Händen ein paar Geräusche gemacht, um zu versuchen, die Bewegungen zu imitieren, die der Charakter macht.

Da es in diesem kurzen Film keinen Dialog gab, zähle ich die verschiedenen Geräuschausdrücke als Foley. Es gab eine weibliche Darstellerin für das Trinken, Atmen und Ausrufen. Mein Dank geht an Celina für diesen Beitrag - sie hat einen tollen Job gemacht! Für die Szene, in der Nova von einer Wächtermaschine erwischt wird, während sie die Versorgungszufur einer Maschine plündert, musste ich einen ziemlich gruseligen und wirkungsvollen Spezialeffekt entwerfen, um die bedrohliche und angespannte Situation dieses Moments zu verbessern. Was ich am Ende erschaffen habe, lässt im Grunde die Illusion entstehen, dass so etwas wie eine Wächtermaschine vorbeifliegt und versucht, mit Sensoren und Scheinwerfern im Depot nach verdächtigen Aktivitäten zu suchen. Ich habe hauptsächlich Klänge verwendet, die ich mit einem von Jonáš Gruska entwickelten Gerät für elektromagnetisches Hören aufgenommen habe, das auf einer induktiven Spule mit Telefonspule basiert. Es ist eines der am besten klingenden Pickup-Spulenmikrofone, die ich je gehört habe: Die Frequenzausdehnung, das Stereobild und die Empfindlichkeit sind wunderschön und wurden in vielen Sound-Bibliotheken verwendet.

Ich habe mehrere Layer dieser elektromagnetischen Klänge wie Brummen oder Summen für den Motor der Maschine in verschiedenen Frequenzbereichen verwendet. Und um den Dopplereffekt zu simulieren, wenn sich die Maschine nähert und vorbei geht, habe ich einen tief-frequenten Trittschalll an der nahesten Position und viel Schwenken sowie eine Plugin-Automation verwendet. Für die Scheinwerfer und die Sonifikation des Scan-Vorgangs habe ich Klänge verwendet, die man als Radiofrequenz-Störgeräusche bezeichnen kann und auf denen ein zischender elektrischer Energie Sound liegt.

Um die Spannung zu verstärken und ein Element einzuführen, das drohende Gefahr vorausahnen lässt, habe ich einen speziellen Effekt aus einem musikalischen Stinger kreiert, der aus verschiedenen Layer von Brumm- und Synth-Klängen besteht. Dafür habe ich mehrere Hardware- und Software-Synthesizer verwendet, die gut zu den Umgebungsgeräuschen passen. So hört es sich an, als ob der Stinger-Sound in einer homogenen Weise aus dem Hintergrund heraustritt, wenn sich unser Hauptcharakter in Gefahr befindet. Das ist ein netter Trick, mit dem man ein nicht-diegetisches musikalisches Element mit einem diegetischen wie dem Hintergrund-Ambiente verschmelzen kann.

Last but not least, habe ich mehrere Metall- und Glasschlaggeräusche in der Theaterwerstatt in Mainz, sowie Trümmer- und Zerstörungsgeräusche im Recyclingzentrum in Mainz aufgenommen. Ich habe in diesen Sitzungen verschiedene Mikrofone benutzt. Im Vergleich dazu schnitt das LCT 540 S sehr gut ab. Seine hohe Ausgangsleistung machte es irgendwie sensibler für super-laute, transient-schwere Sachen, aber ich hatte mit Leichtigkeit alles unter Kontrolle, indem ich die zweistufigen Pad-Schalter am Mikrofon verwendete. Der hohe Dynamikumfang dieses Mikrofons hat sich hier wirklich ausgezahlt: Im Vergleich zu anderen Mikrofonen ist der Klang ausgewogen, vielleicht mit etwas mehr High-End, das ausgewogen und trotzdem natürlich klingt. Bei den tieffrequenten Klängen liefert der Tiefenabschwächungs-Filter eine gute Auflösung. In der Postproduktion habe ich ein bisschen De-Noising eingesetzt, da ich in einer Industriehalle und einer lauten Werstatt aufgenommen hatte. Dann habe ich einen kleinen Bass Boost um 100 Hz und einen kleinen Cut etwas oberhalb von 12 kHz mit einem High Shelf Filter hinzugefügt. Nach dieser Säuberung begann ich mit dem eigentlichen kreativen Sound-Design-Prozess. Der Regisseur wollte, dass dieser spezielle Effekt wie eine ferne Explosion klingt, die der Charakter durch ein Loch im Boden von der Versorgungsstation hören würde. Also habe ich einen Low-Cut-Filter angewendet, um die Hochfrequenzdämpfung über die Entfernung durch die Luft zu simulieren, einen entfernten Hall hinzugefügt und ihn mit einem zweiten Hall gemischt, um ein Slapback Echo im Raum zu simulieren.

About the Author:

Daniel Meuser is a graduated Sound Designer from Germany specialized in interactive and game audio. In his Bachelor Project, he developed as an early adaptor a 3D-Audio-Production pipeline for a VR-Experience for the Oculus Rift platform. In 2017 he started working in the game industry where he worked on Cryteks Hunt: The Showdown. 
He has also been involved in short films and feature films, be it providing evocative SFX, Atmo and Foley sounds, or even mix-downs for cinema and broadcast in Post-Pro. He has started to produce his own SFX libraries lately and written articles about his work.



LCT 540 S MKII Teaser
LCT 540 S

Studiokondensatormikrofon für ultradetaillierte Klangbilder.